• Report date (narrative): Oktober 2025

Oktober 2025

Die Konferenz zu digitalen Kompetenzen in der Erwachsenenbildung, die am 1. Oktober 2025 an der VHS Hannover stattfand, bot uns die Gelegenheit, erneut über den Zweck und den Nutzen des DigComp (des europäischen Referenzrahmens für digitale Kompetenzen von Bürger:innen) nachzudenken. In zwei Workshops mit jeweils etwa 20 Teilnehmern stellten wir den DigComp unseren Kollegen aus verschiedenen Erwachsenenbildungs-Einrichtungen Norddeutschlands vor, und in der anschließenden Diskussion fielen uns zwei Dinge besonders auf:

1) Wenig Kenntnis der Strukturdetails

Obwohl unter den Leitern von Erwachsenenbildungseinrichtungen grundsätzlich ein sehr großes Interesse an einem strukturierten Ansatz für digitale Kompetenzen besteht (wie man sie klassifiziert, wie man sie kategorisiert, wie man sie definiert), hatten wir den Eindruck, dass die meisten Erwachsenenbildner in unserem Umfeld noch nicht wirklich mit DigComp vertraut sind. Sie kennen den Begriff DigComp und haben eine Vorstellung vom Ursprung und Zweck dieses Referenzrahmens, aber sie haben noch nicht den Schritt zu einer tiefergehenden Analyse oder Bestandsaufnahme gewagt; mit anderen Worten: Die strukturellen Details des DigComps sind noch nciht präsent, zum Beispiel dass DigComp fünf „Kompetenzbereiche“ (Areas) definiert, von denen jeder aus 3–6 konkreten Kompetenzen besteht, und dass es acht Kompetenzstufen gibt, die eine Person in jeder dieser Kompetenzen erreichen kann.

Natürlich ist unsere Beobachtung subjektiv, da sie auf den Äußerungen der Teilnehmer:innen unserer Workshops basiert, und man könnte annehmen, dass es sich dabei vorzugsweise um Personen handelte, die gekommen waren, um eine Einführung in DigComp zu erhalten.

2) Skepsis bezüglich der Anwendbarkeit

Sowohl unter Kolleg:innen, die bereits Versuche unternommen haben, DigComp im Arbeitsablauf der Erwachsenenbildung einzusetzen, als auch unter Kolleg*innen, die dies noch nicht getan haben, aber grundsätzlich motiviert waren, sich den Einsatz von DigComp in ihrer täglichen Arbeit vorzustellen, stießen wir auf Skepsis hinsichtlich der Anwendbarkeit des DigComp-Systems, insbesondere im Hinblick auf die Kommunikation mit Kund:innen (Lernenden).

Diese Skepsis wurde durch unsere (VHS Hannover und VHS Wien) Präsentation von Konzepten ausgelöst, mit denen DigComp zu einem Instrument zur Kategorisierung von Erwachsenenbildungsprogrammen aller Themenbereiche gemacht werden sollte. Kolleg:innen aus anderen Organisationen äußerten Zweifel, ob die Mitteilung von Aussagen wie „In diesem Kurs werden Sie im Bereich 2, Kompetenz 2.3, von Stufe 1 auf Stufe 3 vorankommen“ an Kund*innen (typischerweise: Bürger:innen, die sich für einen Kurs anmelden wollen) diese nicht eher abschrecken würde; selbst wenn solche Informationen nicht als Text sondern in visueller Form (Symbole, Badges usw.) präsentiert würden.

Wir diskutierten dabei über Kunden-Typen wie die sprichwörtliche ältere Dame, die sich für einen Sprachkurs oder einen Kochkurs anmelden möchte und die sich allein beim Lesen von Begriffen wie „digitale Kompetenzen“ oder „Nutzung Ihres Smartphones“ unwohl oder eingeschüchtert fühlen würde.

Derartige Zweifel hatten wir bei der VHS Hannover bereits selbst entwickelt, im Zuge unserer laufenden Versuche, die DigComp-Kategorisierungen in den Planungsprozess von Erwachsenenbildung einzubeziehen. Nun sahen wir, dass diese Zweifel nun auch von Kollegen aus anderen Organisationen geteilt werden.

Dennoch setzen wir unser Experiment natürlich fort.