März 2025

Eine ungelöste Frage hier an der VHS Hannover ist es ob - und wenn ja, wie - Information nicht nur über angestrebte Digitalkompetenzen gegeben werden sollte sondern auch über solche, die zur Besuch eines Kurses praktisch vorausgesetzt werden.

(Auf Englisch lässt sich das einfacher ausdrücken mit den Begriffen entry levels versus exit levels.)

Was ist das Problem?

Wie früher bereits dargelegt, ist es unser Ziel, in unseren öffentlichen Kursankündigungen transparent darzulegen, über welche digitalen Kompetenzen eine Person bereits verfügen muss, um erfolgreich (und mit Freude) an unseren Kursen teilnehmen zu können. Das ist sozusagen der Ausgangspunkt. Ein potenzieller Kunde würde die Kursbeschreibung lesen und erkennen, ob der Kurs für ihn geeignet ist – nicht nur hinsichtlich des Kursinhalts an sich, sondern auch im Hinblick auf die erforderlichen Kompetenzen bei der Bedienung digitaler Hilfsmittel.

Doch ist  dies nicht eine sehr eingeschränkte Sichtweise auf digitale Kompetenzen? Wir sind eine Bildungseinrichtung. Menschen besuchen Kurse aus vielen Gründen. Manchmal geht es um die Freude an sozialen Erfahrungen, manchmal vor allem darum, etwas Bestimmtes zu lernen. Und sie lernen tatsächlich etwas; zunächst einmal in Bezug auf das Thema des Kurses - z. B. die englische Sprache, die Nutzung bestimmter Computerprogramme oder das Malen eines Ölbilds; dann aber auch andere Dinge, die nicht unbedingt in der Kursbeschreibung erwähnt werden. Dies kann sich auf soziale Kompetenzen beziehen (z. B. durch das Kennenlernen von Menschen aus anderen Teilen der Gesellschaft). Und es kann sich auch auf den Umgang mit Computern und ähnlichen Geräten (Tablets, Smartphones usw.) beziehen. Daher gehen wir davon aus, dass selbst in einem ganz gewöhnlichen Französischkurs die Teilnehmer:innen Fortschritte im Umgang z. B. mit ihrem Smartphone oder einem Computer machen können, etwa wenn die Lehrkraft sie einlädt, einen Podcast anzuhören (wir haben Sprachdozentinnen, die ihre eigenen Podcasts produzieren), oder wenn eine Lehrkraft im Unterricht eine Smartphone-App einsetzt.

Offensichtlich gibt es also einerseits in manchen Kursen die Notwendigkeit, gewise Computerkenntnisse (digitalen Kompetenzen) mitzubringen, und andererseits oft auch die Chance, diese weiterzuentwickeln. Beides gilt in Präsenzkursen, aber noch mehr in Online-Kursen. Immer mehr Kurse der VHS Hannover werden online angeboten, was insbesondere Menschen aus anderen Teilen des Landes ermöglicht, das breite Spektrum an Themen zu nutzen, das wir als Erwachsenenbildungsorganisation in einer der größeren, sehr multikulturellen Städte Deutschlands anbieten. Die Teilnahme an einem Online-Kurs erfordert vom Lernenden nicht nur, dass er seinen Computer einschalten kann (grundlegende digitale Kompetenz), sondern auch, dass er eine Videokonferenzsoftware (wie Zoom oder Big Blue Button) nutzen kann; und natürlich erweitern die Teilnehmer durch die Nutzung der Software und durch Erklärungen, die der Lehrende aus rein praktischen Gründen während des Unterrichts geben mag, auch ihre Kompetenzen.

Wir sehen also: Beides ist wichtig: Die Menschen benötigen bestimmte Fähigkeiten, um überhaupt an einem Kurs teilnehmen zu können (und sei es nur, um sich über unsere Website für einen Kurs anzumelden). Aber sie entwickeln ihre (digitalen) Fähigkeiten auch während der Kurse, und im Idealfall sind sie am Ende des Kurses kompetenter als zu Beginn.

Daher wäre es sinnvoll, Informationen über das voraussichtliche Niveau der digitalen Kompetenzen aufzunehmen, das ein typischer Kursteilnehmer bei durchschnittlicher Aufmerksamkeit während der Teilnahme an einem Kurs erreichen würde.

Somit sprechen wir nun von zwei verschiedenen Stufen digitaler Kompetenzen, die für jeden Kurs in der Erwachsenenbildung implizit relevant sind:

  1. Einstiegsniveau: Was sind die Mindestanforderungen an die digitalen Kompetenzen?
  2. Welche Fortschritte werden von den Teilnehmenden im Laufe des Kurses erwartet (auch wenn das Thema des Kurses prima vista nichts mit Digitalkompetenzen zu tun hat)?

Eine besondere Herausforderung besteht darin, diese Niveaus zu vermitteln. Relativ früh im Prozess entwickelten wir die Idee, dass zusätzlich zu narrativen Erklärungen (kurzen Sätzen) ein visuelles Erkennungsmerkmal nützlich wäre: eine Art Logo, das dem Leser (zumindest dem Leser mit etwas Einblick in das Thema) vermittelt, welche Niveaus digitaler Kompetenzen in einem bestimmten Kurs angesprochen werden.

Ein entwickeltes Modell basiert auf dem visuellen Indikator, den unsere österreichischen Kollegen verwenden. Im Gegensatz zu ihnen geben wir jedoch sowohl Einstiegs- als auch Abschlussniveaus an. Die Nutzer können sofort erkennen, welche Einstiegskompetenzen erforderlich (oder zumindest empfohlen) sind und welche Abschlussniveaus in der Regel erreicht werden.

Hier ist die graphische Darstellung, die uns im Moment vorschwebt:

Dieser Vorschlag einer Visualisierung von Digitalkompetenz-Niveaus nach DigComp zeigt für jedes Kompetenzfeld das Eingangs- und Ausgangsniveau, also "Was sollte ein Kursteilnehmer können, um teilnzunehmen" und "Was wird ein Kursteilnehmer vermutlich können, nachdem er den Kurs besucht hat."

Es gibt jedoch auch Argumente gegen dieses Vorgehen.

Der Vorteil dieses Modells ist, dass er vollkommen transparent ist. Allerdings erfordert er eine gewisse Vertrautheit mit dem System zur Klassifizierung digitaler Kompetenzen (wie es von DigComp bereitgestellt wird). Die üblichen Teilnehmer an Erwachsenenbildungskursen verfügen wohl eher nicht darüber.

Einige Kolleg:innen befürchten sogar, dass die starke Hervorhebung des Themas „digitale Kompetenzen“ in einer Kursankündigung potenzielle Kunden abschrecken könnte, da diese in ihrer Freizeit in der Erwachsenenbildung möglicherweise alles andere wollen, als sich mit Computern und Mobiltelefonen zu beschäftigen.

Daher sind wir noch unsicher, wie wir vorgehen sollen.

Eine Lösung könnte darin bestehen, die detaillierten Informationen über Einstiegs- und Abschlussniveaus (wie oben dargestellt) zwar bereitzustellen, aber in einer Weise, so dass sie nicht jedem Leser unserer Kursnankündigung aufgedrängt werden, sondern eher so, dass, wer sich speziell dafür interessiert, sie über einen weiteren Mausklick aufrufen kann...

Die Entscheidung darüber ist eine unserer Aufgaben für den Rest des Jahres 2025...

***

Dieser Artikel reflektiert den Stand unserer Überlegungen im März 2025. Die weitere Entwicklkung können Sie in diesem Blog verfolgen.