Dezember 2025

„Warte, ich zeige es dir.“

Kursteilnehmerin Katarina sagte das fast spontan, als sie bemerkte, dass ihr Kollege Peter Schwierigkeiten hatte, ein Bild in ein Dokument einzufügen. Vor einigen Wochen hatte sie selbst um Hilfe bei derselben Aufgabe gebeten. Nun beugte sie sich zu ihm hinüber und erklärte ruhig: „Zuerst klickst du hier, dann wählst du die Datei aus.“

Peter folgte ihren Anweisungen. Das Bild erschien auf dem Bildschirm. Beide lächelten.

Dieser Moment war nicht geplant. Er war nicht Teil des Lehrplans. Er war das Ergebnis eines Prozesses, der sich still vollzogen hatte: der Übergang vom individuellen Lernen zum gemeinsamen Voranschreiten.

Früher war Wissen ein Wettstreit

Schulsysteme basierten lange Zeit auf individuellen Leistungen. Noten waren persönlich. Erfolg wurde individuell gemessen. Einem Mitschüler zu helfen, wurde manchmal als Schwäche oder sogar als Regelverstoß angesehen.

Die digitale Umgebung basiert jedoch auf Vernetzung. Plattformen ermöglichen die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten, das Teilen von Materialien, das Kommentieren und die Zusammenarbeit über große Entfernungen hinweg.

Doch Technologie allein schafft keine Zusammenarbeit. Es bedarf einer Kultur.

Gute Erwachsenenbildung hat das schon lange gesehen, aber in herkömmlichen Schulen scheint es bis heute kaum angekommen zu sein.

Die DigComp-Kompetenz 2.4 – Zusammenarbeit unter Einsatz digitaler Technologien – umfasst die Fähigkeit, Wissen zu teilen, andere zu unterstützen und digitale Werkzeuge für die gemeinsame Arbeit zu nutzen.

Von „Ich kann das nicht“ zu „Ich zeige es dir“

Als Katarina zum ersten Mal versuchte, ein Bild in ein Dokument einzufügen, war sie unsicher. Sie hatte Angst, etwas „kaputtzumachen“. Sie brauchte Hilfe und nahm diese auch an.

Diese Erfahrung blieb nicht nur technischer Natur. Als sie den Vorgang selbst beherrschte, gewann sie etwas mehr: das Bewusstsein, dass sie es kann.

Und als sie sah, dass jemand anderes das gleiche Problem hatte, reagierte sie ganz natürlich. Nicht als Expertin, sondern als jemand, der denselben Prozess durchlaufen hatte.

Zusammenarbeit im digitalen Umfeld ist nicht nur das Teilen von Dateien. Es ist das Teilen von Wegen.

 

Bild: Unsplash

 

Technologie als gemeinsamer Raum

An der UPI Žalec nutzen wir immer häufiger gemeinsame Dokumente, in denen mehrere Teilnehmer gleichzeitig Inhalte beitragen können. Anfangs war eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Wer wird was schreiben? Was, wenn ich die Arbeit eines anderen lösche?

Doch nach und nach begannen unsere Kursteilnehmer:innen, die Logik des gemeinsamen Raums zu verstehen. Das Dokument gehört nicht mehr einer Einzelperson, sondern der Gruppe.

Wenn jemand einen Absatz hinzufügt, ergänzt ein anderer den Gedanken. Wenn einer einen Fehler korrigiert, schlägt ein anderer eine Verbesserung vor.

Zusammenarbeit wird zu einem Prozess, nicht zu einer Aufgabe.

Reflexion innerhalb der Organisation

Auch unter den Fachkräften an der UPI Žalechaben wir uns gefragt, wie wir gegenseitige Hilfe fördern können. Schaffen wir ein Umfeld, in dem der Wissensaustausch selbstverständlich ist? Erkennen wir Momente, in denen Teilnehmer die Rolle eines Mentors übernehmen?

Das DigCompAE-Projekt hat uns dazu angeregt, solche Momente nicht nur wahrzunehmen, sondern auch hervorzuheben. Nicht mit einer Belohnung, sondern durch Reflexion.

Wenn ein Teilnehmer einem anderen hilft, verändert sich die Rolle. Er ist nicht mehr nur Empfänger von Wissen. Er wird zu dessen Träger.

Gemeinschaft als Ergebnis des Lernens

Am Ende dieser Stunde sagte Kursteilnehmer Peter: „Danke, jetzt werde ich beim nächsten Mal jemandem helfen.“

Das war kein Versprechen, sondern eine natürliche Folge der Erfahrung.

Digitale Kompetenz entwickelt sich nicht isoliert. Sie wächst in der Gemeinschaft. Wenn der Einzelne sieht, dass er einen Beitrag leisten kann, verändert sich die Gruppendynamik.

An der UPI Žalec haben wir durch die Praxis erkannt, dass genau dies einer der stärksten Indikatoren für Fortschritt ist: der Moment, in dem Hilfe nicht mehr nur dem Lehrer vorbehalten ist.

Wenn die Teilnehmer beginnen, sich gegenseitig zu helfen, wird die digitale Umgebung zu einem Ort der Zusammenarbeit, nicht nur des Lernens. Und vielleicht ist genau das eine der nachhaltigsten Veränderungen – die Erkenntnis, dass Wissen nicht etwas ist, das wir für uns behalten, sondern etwas, das durch Teilen wächst.

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