Januar 2025

»Das passiert mir immer.«

Der Computer war abgestürzt. Das Dokument ließ sich nicht mehr öffnen. Der Teilnehmer nahm die Hände von der Tastatur, als könnte das Gerät wütend werden.

»Der Computer mag mich nicht«, fügte er halb im Scherz hinzu.

Im Klassenzimmer war leises Lachen zu hören. Doch in diesem Satz steckte mehr als nur Humor. Es war eine Interpretation.

Wenn wir Technik als etwas verstehen, das einen eigenen Willen hat, schreiben wir ihr Macht zu. Und wenn wir ihr Macht zuschreiben, akzeptieren wir diese ungewollt.

Früher haben wir Werkzeuge verstanden

Wenn uns der Hammer aus der Hand rutscht, wissen wir, dass wir ihn falsch gehalten hatten. Wenn das Auto stehen bleibt, vermuten wir, dass der Sprit ausgegangen war. Werkzeuge waren mechanisch. Ihre Funktionsweise war erklärbar.

Digitale Werkzeuge hingegen funktionieren in Schichten. Programm, Betriebssystem, Netzwerk, Server. Wenn etwas nicht funktioniert, sehen wir den Mechanismus nicht.

Und wenn wir den Mechanismus nicht sehen, entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit.

Technologie ist nicht persönlich

In der DigComp-Kompetenz 5.2 sprechen wir von der Fähigkeit, Bedürfnisse zu erkennen und die passende technologische Lösung auszuwählen. Das bedeutet zu verstehen, was wir erreichen wollen – und welches Werkzeug dafür geeignet ist.

Doch bevor wir zur Auswahl einer Lösung kommen, müssen wir etwas anderes überwinden: das Gefühl, dass wir selbst das Problem sind.

Der Teilnehmer, der sagte: „Der Computer mag mich nicht“, verfügte bereits über ausreichende Kenntnisse, um mit dem Programm zu arbeiten. Das Problem war die langsame Internetverbindung. Das war nicht seine Schuld.

Als wir das erklärten, änderte sich seine Haltung. Er saß nicht mehr gekrümmt da. Er griff wieder zur Tastatur.

Vom persönlichen Fehler zum systemischen Verständnis

An der UPI Žalec beobachten wir, dass erwachsene Teilnehmer oft die Schuld für technische Probleme auf sich nehmen. Wenn sich ein Dokument nicht öffnen lässt, denken sie, sie hätten es falsch gespeichert. Wenn eine Seite nicht geladen wird, denken sie, sie hätten falsch geklickt.

Selten denken sie zuerst daran, dass das Problem vielleicht im System liegt.

Und genau hier liegt der entscheidende Wandel.

Wenn wir anfangen, zwischen Benutzerfehlern und systemischen Einschränkungen zu unterscheiden, werden wir stark.

 

Slika: Unsplash

 

Technologische Lösungen als bewusste Entscheidung

Im Rahmen des DigCompAE-Projekts haben wir uns auch gefragt, ob wir selbst immer das am besten geeignete Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe auswählen. Verwenden wir ein Werkzeug, weil wir es kennen, oder weil es am besten geeignet ist?

Das Gleiche gilt für unsere Teilnehmer:innen.

Wenn jemand ein langes Dokument in einer Anwendung schreibt, die nicht für umfangreiche Texte gedacht ist, liegt das Problem nicht in seinen Fähigkeiten. Das Problem liegt in der Wahl des Werkzeugs.

Wenn wir verstehen, dass wir eine Wahl haben, ändert sich unsere Einstellung zur Technologie.

Der Computer ist kein Richter

Dieser Teilnehmer sagte am Ende der Stunde: „Aha, es ist also nicht so, dass er mich nicht mag.“

Das war kein Scherz. Es ging um eine veränderte Interpretation.

Technik ist nicht persönlich. Sie belohnt nicht und bestraft nicht. Sie funktioniert nach Regeln. Und diese Regeln können wir lernen. Wenn wir das verstehen, kehren wir in die Rolle des aktiven Nutzers zurück.

An der UPI Žalec lehren wir nicht nur den Umgang mit Programmen. Wir lehren eine andere Einstellung zur Technologie.

  • Von „Ich kann das nicht“ zu „Ich verstehe das“
  • Von „Ich habe etwas kaputtgemacht“ zu „Lass uns eine Lösung finden“
  • Von „Der Computer mag mich nicht“ zu „Was braucht das System, damit es funktioniert?“

Und das ist vielleicht eine der wichtigsten digitalen Kompetenzen. Nicht, weil die Technologie einfacher geworden wäre. Sondern weil wir selbst selbstbewusster werden.