November 2025
„Ich bin dafür zu alt.“
Ein Satz, den wir bei UPI Žalec oft hören. Diesmal sprach ihn Jože aus, etwas über sechzig Jahre alt, als er zum ersten Mal den Online-Seminarraum öffnete. Seine Hand ruhte auf der Maus, und sein Blick war auf den Bildschirm gerichtet, als würde er etwas betrachten, das ihm fremd ist.
„Das ist was für die Jungen“, fügte er hinzu. „Die sind damit aufgewachsen.“
Im Seminarraum saß auch Ana, eine gerade zwanzigjährige Teilnehmerin des Kurses. Als sie das System öffnete, brauchte sie Hilfe beim Einloggen, da sie sich nicht an ihr Passwort erinnern konnte und auch nicht wusste, wie man es zurücksetzt. Ein paar Minuten später setzte sich Jože, der sich inzwischen erfolgreich angemeldet hatte, neben sie und erklärte ihr, was sie zu tun hatte.
Die Szene war still, fast unbemerkt. Aber wichtig.
An diesem Tag ging es nicht darum, wer jünger oder älter war. Es ging um etwas anderes: um die Fähigkeit zu erkennen, was wir nicht wissen – und uns zu entscheiden, diese Lücke zu schließen.
Früher war Alter ein Synonym für Wissen
In traditionellen Umgebungen stand das Alter für Erfahrung, Weisheit und Autorität. Die Jüngeren hörten zu, die Älteren lehrten. Wissen war mit Lebenserfahrungen verbunden.
Die digitale Technologie hat diese Logik auf den Kopf gestellt. Jüngere Generationen sind mit Bildschirmen, Apps und sozialen Netzwerken aufgewachsen. Sie beherrschen bestimmte Funktionen intuitiv, erkennen Symbole schneller und klicken selbstbewusst.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Lücken haben.
Und es bedeutet nicht, dass Ältere kein Potenzial haben.
DigComp Kompetenz 5.4 – Erkennen von Lücken in den eigenen digitalen Kompetenzen – spricht nicht vom Alter. Es geht um Bewusstsein. Um die Fähigkeit, uns einzugestehen: Das kann ich noch nicht. Und das ist in Ordnung.
Stereotypen als stille Barriere
Wenn Jože sagt, er sei dafür zu alt, drückt er keine Tatsache aus, sondern eine Überzeugung. Eine Überzeugung, die er aus dem breiteren gesellschaftlichen Diskurs übernommen hat:
- Junge Menschen sind digital
- Ältere Menschen verstehen die Technik nicht
- Das ist nichts für meine Generation
Solche Sätze werden zur inneren Stimme.
An der UPI Žalec stellen wir fest, dass der erste Schritt bei der Entwicklung digitaler Kompetenzen oft darin besteht, diese Überzeugungen abzubauen. Nicht durch Vorträge, sondern durch Erfahrung.
Wenn jemand eine Aufgabe erfolgreich bewältigt, die er zuvor als „zu anspruchsvoll für sein Alter“ bezeichnet hat, bewegt sich etwas in ihm.

Lücken sind kein Misserfolg, sondern ein Ausgangspunkt
In einem der Workshops haben wir die Teilnehmer gebeten, aufzuschreiben, was sie im digitalen Umfeld nicht können oder nicht verstehen. Zunächst war eine gewisse Unbehaglichkeit zu spüren. Es ist nicht einfach, Unwissenheit zuzugeben.
Doch als sie sich zu Wort meldeten, wurde klar, dass die Lücken vielfältig und altersunabhängig sind. Die Jüngeren erwähnten Sicherheitseinstellungen, die Älteren die Arbeit in der Cloud, die mittlere Generation die Organisation von Dateien.
Es gab kein einheitliches Muster.
Das Erkennen von Lücken bedeutete keine Schwäche. Es bedeutete eine Landkarte. Wenn man weiß, wo man steht, kann man den Weg planen.
Reflexion an der UPI Žalec
Als Organisation mussten wir auch unsere eigenen Lücken erkennen. Gehen wir davon aus, dass eine bestimmte Gruppe mehr Hilfe benötigt? Passen wir unsere Erwartungen unbewusst an das Alter an?
Das DigCompAE-Projekt hat uns zu einem individuelleren Ansatz angeregt. Anstatt auf das Geburtsjahr zu schauen, betrachten wir den Ausgangspunkt. Anstatt zu vermuten, fragen wir nach.
Digitale Kompetenz ist keine generationsspezifische Eigenschaft. Sie ist das Ergebnis von Lernen, Übung und Offenheit.
Wenn sich eine Überzeugung ändert
Einige Wochen nach dieser ersten Äußerung bereitete Jože eine kurze digitale Präsentation über sein Hobby vor. Als er vor der Gruppe stand und selbstbewusst mit der Maus zwischen den Folien hin- und herblätterte, sagte er: „Na, anscheinend bin ich doch nicht zu alt.“
Das war kein Scherz. Es war eine Korrektur seiner eigenen Überzeugung.
Bei Kompetenz 5.4 geht es nicht nur darum, zu erkennen, was fehlt. Es geht auch darum, zu erkennen, was wir bereits gelernt haben. Und zu verstehen, dass Entwicklung nicht an das Alter gebunden ist.
Wenn wir den Gedanken aufgeben, dass digitale Kompetenzen einer einzigen Generation vorbehalten sind, öffnet sich Raum zum Lernen.
Und genau dort beginnt der wahre Fortschritt – nicht im Vergleichen, sondern im Bewusstwerden.
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