April 2026

 

Bei einem unserer letzten Workshops haben wir die Teilnehmer gebeten, in einem gemeinsamen Online-Dokument festzuhalten, was sie in den letzten Monaten gelernt haben. Das Dokument wurde auf einem großen Bildschirm angezeigt, sodass alle sehen konnten, wie der Text nach und nach ergänzt wurde.

Zunächst herrschte Stille. Die Mauszeiger bewegten sich, aber niemand begann zu schreiben.

Dann erschien die erste Zeile: „Ich habe gelernt, Mut zu haben.“

Die zweite fügte hinzu: „Ich habe gelernt, Fragen zu stellen.“

Die dritte: „Ich habe gelernt, dass ein Fehler nicht das Ende bedeutet.“

Die Worte fügten sich aneinander. Jeder Eintrag ergänzte den vorherigen. Das Dokument hatte keinen Autor. Es hatte eine Gemeinschaft.

Als wir es am Ende lasen, ging es nicht mehr um einzelne Errungenschaften. Es ging um einen gemeinsamen Weg.

Früher war Lernen eine individuelle Aufgabe

Traditionell basierte Bildung oft auf der Lehrer-Schüler-Beziehung. Wissen floss in eine Richtung. Die Teilnehmer hörten zu, machten sich Notizen, wiederholten.

Digitale Werkzeuge haben andere Möglichkeiten eröffnet. Gemeinsame Dokumente, Foren und freigegebene Ordner ermöglichen es, dass Wissen zirkuliert.

Doch Technologie allein schafft keine Zusammenarbeit. Es bedarf eines kulturellen Wandels.

Die DigComp-Kompetenz 2.4 – Zusammenarbeit unter Einsatz digitaler Technologien – umfasst die Fähigkeit zur Mitgestaltung, zur gemeinsamen Verantwortung und zur Wertschätzung der Beiträge anderer.

Vom passiven Zuhören zur Mitgestaltung

Zu Beginn des Projekts DigCompAE warteten die Teilnehmer oft auf Anweisungen. „Was sollen wir tun?“ „Ist das richtig?“

Nach und nach führten wir Aufgaben ein, die gemeinsames Arbeiten erforderten. Gemeinsame Vorbereitung einer Präsentation. Gemeinsames Sammeln von Quellen. Gemeinsames Lösen von Problemen.

Anfangs waren sie vorsichtig. Wer würde die Initiative ergreifen? Was, wenn wir uns nicht einig sind?

Doch mit jeder neuen Herausforderung wuchs das Vertrauen. Nicht nur in die Technologie, sondern auch zueinander.

Als sie sahen, dass sie gemeinsam etwas schaffen können, was ein Einzelner allein nicht schaffen würde, veränderte sich die Gruppendynamik.

Lernen als Beziehung, nicht als Dienstleistung

Für UPI Žalec war dieses Projekt auch ein Spiegel. Sind wir eine Organisation, die Wissen anbietet, oder eine Gemeinschaft, die es mitgestaltet?

Als wir beobachteten, wie die Teilnehmer einander Abläufe erklärten, Fehler korrigierten und Erfahrungen austauschten, wurde uns klar, dass unsere Rolle eine andere ist, als wir zunächst dachten.

Wir sind nicht die einzigen Träger von Wissen. Wir sind Moderatoren des Prozesses.

Diese Erkenntnis hat unsere Verantwortung nicht gemindert. Sie hat sie vergrößert. Wir müssen einen Raum schaffen, in dem Zusammenarbeit möglich ist.


Foto: Unsplash

 

Das gemeinsame Dokument als Symbol

Dieses Abschlussdokument mit den gesammelten Sätzen haben wir aufbewahrt. Nicht fürs Archiv, sondern als Dokumentation des Prozesses.

Wenn wir es heute öffnen, sehen wir mehr als nur Sätze. Wir sehen Spuren von Veränderungen. Von der Unsicherheit hin zur Initiative. Vom Individuellen zum Gemeinsamen.

Zusammenarbeit im digitalen Umfeld ist nicht nur eine technische Fertigkeit. Es ist die Fähigkeit, zuzuhören, sich zu ergänzen, zu respektieren.

Wenn eine Organisation dies erkennt, verändert sich auch ihre eigene Kultur. Auch unter den Mitarbeitern haben wir begonnen, gemeinsame digitale Räume für Planung und Reflexion häufiger zu nutzen.

Wenn Lernen kein einsamer Weg mehr ist

Am Ende des Programms sagte einer der Teilnehmer: „Am meisten habe ich von anderen gelernt.“

Dieser Satz könnte als eine Schwächung der Rolle des Ausbilders verstanden werden. In Wirklichkeit zeigte er jedoch, dass der Prozess erfolgreich war. Wenn Einzelpersonen verstehen, dass ihr Wissen nicht isoliert ist, sondern Teil eines Netzwerks, verändert sich die Sichtweise auf das Lernen.

Wir lernen nicht nebeneinander. Wir lernen voneinander.

Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Veränderungen, die das Projekt bewirkt hat: die Erkenntnis, dass digitale Kompetenzen nicht nur individuelles Kapital, sondern gemeinsames Potenzial sind.

Wenn wir das verstehen, ist Lernen keine Pflicht mehr, sondern eine Beziehung.