April 2025
„Ich frage nicht. Ich schaffe das selbst!“
Andrej sagte das leise, fast nur zu sich selbst. Er saß am Computer und versuchte, einen Antrag über ein Online-Formular einzureichen. Es gab zahlreiche Felder. Einige waren Pflichtfelder. Andere waren unklar.
Zehn Minuten lang hielt er durch. Er klickte vor und zurück. Er las die Anweisungen. Als das System eine Fehlermeldung anzeigte, seufzte er tief.
„Ich schaffe das!“
Die Teilnehmerin neben ihm beobachtete ihn. Nach einigen Augenblicken beugte sie sich leicht zu ihm hin. „Vielleicht muss man hier das hier anklicken“, sagte sie vorsichtig.
Er zögerte einen Moment. Dann reichte er ihr die Maus. Sie klickte auf ein Feld, das er zuvor nicht bemerkt hatte. Das Formular wurde aktualisiert. Der Fehler war verschwunden. Es entstand eine kurze Stille.
„Danke“, sagte er. Und zum ersten Mal an diesem Tag lächelte er.
In diesem Moment ging es nicht um das Formular. Es ging um Zusammenarbeit.
Früher war Lernen eine individuelle Angelegenheit
In der Schule saßen wir jeder an seinem eigenen Tisch. Abschreiben war verboten. Hilfe wurde oft als Schummeln verstanden. Wissen war persönliches Eigentum.
Heute funktioniert die digitale Welt anders. Dokumente entstehen in gemeinsamer Nutzung. Ideen zirkulieren. Lösungen werden geteilt. Online-Foren basieren auf Fragen und Antworten.
Zusammenarbeit ist keine Ausnahme mehr. Sie ist eine Arbeitsweise.
Und genau das bringt DigComp Kompetenz 2.4 – Zusammenarbeit unter Einsatz digitaler Technologien. Es geht nicht nur um die gemeinsame Arbeit an einem Dokument, sondern um die Bereitschaft zu fragen, zuzuhören und einen Beitrag zu leisten.
Die Angst vor der Frage
An der UPI Žalec beobachten wir oft, dass erwachsene Teilnehmer nur ungern um Hilfe bitten. Nicht, weil sie diese nicht bräuchten, sondern weil sie beweisen wollen, dass sie es alleine schaffen. In ihrer Welt ist Selbstständigkeit ein Wert.
Doch die digitale Welt erfordert ein anderes Verständnis von Stärke. Eine Frage ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Werkzeug für den Fortschritt.
Als Andrej nicht fragen wollte, war das nicht aus Sturheit. Es war eine Frage der Würde. Als er Hilfe annahm, verlor er nicht seine Würde. Er gewann eine neue Erfahrung.

Technologie als gemeinsamer Raum
Digitale Plattformen ermöglichen das Teilen von Dokumenten, die gemeinsame Bearbeitung und das Kommentieren. Doch all das ist bedeutungslos, wenn keine Kultur der Zusammenarbeit vorhanden ist.
In einem der Workshops teilten wir die Teilnehmer in Zweiergruppen auf. Die Aufgabe war einfach: gemeinsam ein kurzes Dokument zu erstellen. Der eine schrieb, der andere gestaltete. Dann tauschten sie die Rollen.
Anfangs war ein gewisses Unbehagen zu spüren. Wer trifft die Entscheidungen? Wer hat Recht? Wer ist geschickter?
Doch nach wenigen Minuten änderte sich die Dynamik. Sie begannen, miteinander zu sprechen. Zu erklären. Vorschläge zu machen.
Das digitale Tool wurde zu einem Raum des Dialogs.
Reflexion bei UPI Žalec
Auch wir Fachkräfte mussten darüber nachdenken, wie wir untereinander zusammenarbeiten. Teilen wir Materialien? Helfen wir uns bei technischen Herausforderungen? Lernen wir voneinander?
Das Projekt hat uns dazu angeregt, mehr gemeinsame Dokumente, mehr offene Kommunikation und mehr Erfahrungsaustausch zu schaffen.
Zusammenarbeit ist nicht nur eine Arbeitsmethode mit den Teilnehmenden. Sie ist die Kultur der Organisation.
Hilfe als Teil der Kompetenz
Als Andrej das Formular ausgefüllt hatte, sagte er: „Das nächste Mal werde ich jemandem helfen.“
Und das war ein wichtiger Moment. Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Sie ist zirkulär. Heute erhältst du Hilfe, morgen bietest du sie an.
Digitale Kompetenzen sind keine individuelle Ansammlung von Wissen. Sie sind ein Beziehungsnetzwerk. In der digitalen Welt kommt kaum jemand ganz allein voran.
An der UPI Žalec haben wir durch die Praxis erkannt, dass der größte Fortschritt entsteht, wenn die Teilnehmer beginnen, sich gegenseitig zu helfen. Wenn die Angst vor Fragen abfällt. Wenn man versteht, dass gemeinsames Wissen das des Einzelnen übersteigt.
Und vielleicht ist genau das eine der stillsten, aber tiefgreifendsten Veränderungen des digitalen Lernens: die Erkenntnis, dass Selbstständigkeit nicht Isolation bedeutet.
Manchmal bedeutet es genau das, dass man sagen kann: „Kannst du mir das zeigen?“
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