Oktober 2025
„Das hat mir mein Enkel gezeigt.“
Milan sagte dies mit einem Hauch von Stolz, als er während des Workshops die Foto-Sharing-App öffnete und mühelos einen gemeinsamen Ordner anlegte. Einige Teilnehmer schauten ihn überrascht an.
„Wirklich?“, fragte die Dame neben ihm. „Und hat er es dir geduldig erklärt?“
„Natürlich“, antwortete er. „Er bringt mir den Computer bei, ich ihm das Leben.“
Die Gruppe lachte. Doch hinter diesem Satz steckte mehr als nur ein Scherz.
Früher floss Wissen nur in eine Richtung
Traditionell haben wir Wissen mit dem Alter in Verbindung gebracht. Ältere brachten jüngeren etwas bei. Erfahrungen wurden nach unten weitergegeben. Autorität war mit dem Alter verbunden.
Die digitale Revolution hat diese Dynamik auf den Kopf gestellt. Jüngere Generationen sind mit Bildschirmen aufgewachsen. Sie finden sich schneller in neuen Anwendungen zurecht. Sie verstehen bestimmte Benutzeroberflächen intuitiv.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie mehr Lebenserfahrung haben. Wenn Milan sagt, er habe etwas von seinem Enkel gelernt, spricht er nicht von einem Verlust an Autorität. Er spricht von einer Veränderung des Wissensflusses.
Zusammenarbeit als wechselseitiger Prozess
DigComp Kompetenz 2.4 – Zusammenarbeit unter Einsatz digitaler Technologien – geht über die technische Gruppenarbeit hinaus. Sie beinhaltet die Bereitschaft zu akzeptieren, dass Wissen aus verschiedenen Richtungen kommt.
An der UPI Žalec hören wir oft Geschichten von Enkeln, die ihren Eltern oder Großeltern helfen, ein Handy einzurichten, ein Konto zu eröffnen oder ein Foto zu verschicken. Zunächst spürt man in diesen Geschichten eine leichte Verlegenheit. Doch dann immer häufiger Stolz.
Generationenübergreifendes Lernen ist kein Einbahnstraßenprozess. Wenn die Jüngeren eine digitale Funktion zeigen, bieten die Älteren Kontext, Erfahrung und kritische Einschätzung.
Technologie als Brücke, nicht als Kluft
Oft hören wir, dass Technologie eine Generationskluft schafft. In der Praxis sehen wir aber auch das Gegenteil.
Wenn Milan Fotos mit seiner Familie teilt, ist er nicht mehr auf Vermittler angewiesen. Er kann an Gesprächen teilnehmen, Kommentare abgeben, Erinnerungen teilen. Digitale Interaktion wird zu einer Möglichkeit, Beziehungen zu pflegen.
In einem der Workshops haben wir die Teilnehmer gebeten, eine Situation zu beschreiben, in der sie digital etwas von jüngeren Menschen gelernt haben. Die Geschichten waren ähnlich: Telefoneinstellungen, die Nutzung von Videoanrufen, die Suche nach Informationen.
Interessant war jedoch etwas anderes. Als sie diese Momente beschrieben, sprachen sie nicht über Technik. Sie sprachen über Beziehungen. Über Geduld. Über gemeinsam verbrachte Zeit.

Reflexion innerhalb der Organisation
Als Bildungseinrichtung mussten wir uns überlegen, wie wir die Dynamik zwischen den Generationen in den Lernprozess einbeziehen können. Schaffen wir Gelegenheiten zum Austausch? Ermutigen wir die Teilnehmer, ihre Erfahrungen zu teilen?
Das DigCompAE-Projekt hat uns zu offeneren Gesprächen angeregt. Zur Erkenntnis, dass digitale Kompetenz nicht vom Geburtsjahr abhängt.
Wenn ein Teilnehmer sagt, dass er etwas von seinem Enkel gelernt hat, ist das kein Zeichen von Unzulänglichkeit. Es ist ein Zeichen von Offenheit.
Ein Perspektivwechsel
Am Ende des Workshops half Milan einer anderen Teilnehmerin dabei, einen gemeinsamen Ordner anzulegen. Die Schritte, die er zuvor von seinem Enkel erhalten hatte, wurden zu Wissen, das er weitergeben konnte.
So schließt sich der Kreis.
Digitale Zusammenarbeit ist kein Wettstreit der Generationen. Es ist ein Austausch. Wenn wir akzeptieren, dass wir voneinander lernen können – unabhängig vom Alter –, wird der digitale Raum zu einem gemeinsamen Raum.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Lektionen: dass Kompetenz nicht an das Alter gebunden ist, sondern an die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Wenn Wissen in beide Richtungen fließt, trennt Technik nicht. Sie verbindet.
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